Nur interessant reicht nicht, es muss immer noch ein Top Gimmick drauf gesetzt werden.

Wissenschaftlern aus Austin, Texas ist es gelungen, einen Motor zu bauen, der so klein ist, dass er in einer menschlichen Zelle Platz fände; außerdem rotiert er für knapp 15 Stunden mit 18.000 Umdrehungen pro Minute. Das sollte doch eigentlich schon beeindruckend genug sein, aber dennoch muss noch einer drauf gesetzt werden… warum eigentlich?

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, in der eine Nachricht die nächste jagt und wir es gewohnt sind, dass alles noch cooler, noch spannender oder noch innovativer wird.
Das ist in der Wissenschaft häufig nicht anders. Irgendwie versucht man mit seinen Ergebnissen aufzufallen und da werden schnell Ideen für Anwendungen erdacht, die man am ehesten als ‚kreativ‘ bezeichnen kann. Ein schönes Beispiel bietet eine aktuelle Meldung aus Texas

Researchers Reveal Smallest, Fastest Nanomotor Yet [Bildquelle: I Fucking Love Science]
Den Wissenschaftlern ist es gelungen, einen Rotor zu entwickeln, der kleiner ist und sich um ein vielfaches schneller dreht als alle bisherigen Kleinstmotoren. Einige Elemente sind Nanomaterialien, weshalb das Ergebnis nun auch „Nanomotor“ heißt.
Meine Meinung: Insgesamt könnte dieser Rotor als Antriebseinheit ein wichtiger Schritt in Richtung der Entwicklung von „Nanobots“ sein. Nanobots würden, so die Vorstellung, medizinische Aufgaben im inneren des Körpers übernehmen (z.B. gezielt Tumore bekämpfen oder Aterien säubern).
Momentan dreht sich der Motor für knapp 15 Stunden, aber es ist durchaus denkbar, dass passende Energiequellen entwickelt werden, die z.B. Zucker aus der Umgebung aufnehmen und umwandeln könnten.

Hier geht’s zur Pressemitteilung: Nanomotors

Ich finde, dass das an sich schon eine Meldung wert ist. Entsprechend wirkt es auf mich etwas gekünstelt, dass in der Pressemitteilung nun unbedingt noch weitere Einsatzbereiche für den Rotor konstruiert werden mussten: Die Rotoren sollen wie ein Rasensprenger gezielt Medikamente verteilen.
Ich habe bei anderen Projekten schon häufiger sehen, dass ein gutes Ergebnis erzielt wird, das aber den den PR-Leuten oder Betreuern nicht sexy genug ist, sodass kreativ überlegt wird, wie das Ergebnis für sich alleine nochmal auf ein Podest gesetzt werden kann – auch wenn das Ergebnis so komplett aus dem Kontext gerissen wird.

Der Motor ist aber trotzdem gut und das Video ist ganz interessant gemacht.

Natürlich sollte man als Forscher Visionen und wirre Idee haben,
diese sollten aber nicht von der Pressestelle, der Marketingabteilung
oder einem übermotivierten Betreuer getrieben werden …
Hat einer von euch vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht?
Da gibt es bestimmt einen PHD-Comic zu 😉

5 Kommentare

  1. ja… aber die „Superlative“ durchtränkt doch heutzutage fast alle Bereiche. Man muss nur mal ins Regal eines beliebigen Supermarktes schauen. Vieles ist Mega, Supra, Giga und überhaupt… Ich warte nur noch drauf, dass auch mein Joghurt von Mega-Nano-Quantenbakterien gequirlt wurde…. 😉

  2. @Tomi

    Es gibt Tage, an denen fällt es mir nicht auf. Manchmal aber ist es einfach zu viel des Guten 🙂 Es ist auch ein wenig schade. Es schürt zum Teil auch zu viele falsche Erwartungen. Es sorgt auch für Desinformation. Total ungewollt natürlich. Es gibt dann auch noch Menschen die manches als schon vollbracht, ausgereift und existent glauben. Das führt dann oft zu Enttäuschungen wenn sich das Angenommene als falsch erweisen sollte. Damit schwindet auch das vertrauen in die wissenschaftliche Methodik. Aber vielleicht bin einfach nur zu schwarz malerisch… ist ja auch schon spät 😉

  3. @nihil jie: yep; es sei nur an das kürzliche docBrown-stellt-das-echte-hooverBoard-vor-video erinnert, da gabs nicht wenige, die daß für absolut bare münze genommen hatten

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